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Ein wirklich skurriler Autounfall

Es war ein gewöhnlicher Dienstagabend. Wie jede Woche war ich in der Kirche, denn jeden Dienstag trifft sich die „Tuesday Central“-Gruppe, also alle 18-30 Jährigen zum gemeinsamen Essen, Beten und Bibellesen.

Ich muss ein paar anstrengende Tage hinter mir gehabt haben, denn ich erinnere mich, dass ich unbedingt früh schlafen wollte. Darüber hatte ich mich zuvor noch mit einigen Freunden in der Kirche unterhalten.

An jenem besagten Abend kam ich also gerade von der Kirche zurück und machte mich im Badezimmer bereit, um mir meinen wohlverdienten Schlaf abzuholen als ich plötzlich ein lautes Krachen vernahm.

Obwohl ich laute und krachende Geräusche gewohnt war, ahnte ich bei diesem Geräusch von Anfang nichts Gutes. Spätestens als ich mehrere Personen die Treppe runterpoltern hörte, nahm ich schnell meine Sachen und begab mich in den Flur, um mir einen Lageüberblick zu verschaffen.

Die Tür stand offen. Auf der Auffahrt stand nun nicht mehr wie vorher ein, sondern zwei Autos. Bob, Rick (Namen geändert) und seine Freundin waren schon mitten im Geschehen. Der Freundin gehörte übrigens das Auto.

Dieses Auto, namens „Alan“, war mit der Vorderseite in die Hauswand gekracht. Offensichtlich nicht auf magische Art und Weise von allein, sondern weil es von einem anderen Auto angeschoben wurde.

Verursacher war ein alter Honda Jazz, der einen weit größeren Schaden davongetragen hatte. Darunter eine völlig zersplitterte Heckscheibe und eine eingedellte Heckseite.

Bei dem Fahrer handelte es sich um einen jungen Mann um die zwanzig Jahre, der einen stark alkoholisierten Eindruck erweckte. Fast wäre es zur Schlägerei zwischen ihm und einem unserer Einwohner gekommen. Er faselte etwas davon, dass sein Vater gestorben sei. Der junge Kerl schien völlig aufgelöst. Wahrscheinlich gehörte ihm das Auto nicht mal.

„Alans“ Besitzerin und ihr Freund reden auf den jungen Mann ein, während er Anstalten macht wegzufahren. Schließlich gibt er auf und entfernt sich zum benachbarten Hostel. Den Schlüssel hatte er stecken lassen.

Um sicherzugehen, dass er nicht wegfährt, ohne dass der Fall geklärt ist, kassierten Bob und Rick den Schlüssel und einige Arbeitsklamotten ein, die sie im Kofferraum fanden. Diese Sachen schlossen wir bei uns ins Büro, sodass sie sicher verwahrt wurden.

Mit geeinten Kräften schoben wir das Auto nach vorne, sodass wir „Alan“ einen Schritt von der Wand entfernen konnten. Gemeinsam haben wir noch einen Großteil der Scherben weggeräumt, um weitere Schäden zu verhindern.

Bevor ich endlich zu Bett gehen konnte, warf ich zusammen mit einem unserer Einwohner noch einen Blick auf unsere Kameras, die Gott sei Dank auch die Auffahrt filmen.

Achtet auf das Auto vom benachbarten Parkplatz, das in weitem Bogen über die Straße zieht…

Zwei Stunden später als eigentlich geplant, ging ich dann ins Bett, um endlich zu schlafen. Endlich etwas Schlaf nachholen, dachte ich, bis ich mitten in der Nacht durch ein lautes Klopfen wachwurde.

„Hello! Police!“, tönte es durch die Tür. Rasch zog ich mir ein T-Shirt über und schob den Riegel zur Seite. Tatsächlich: Vor der Tür stand ein Mann in Polizeiuniform und direkt daneben Rick. Im Nachhinein erzählte er mir, dass sie fast fünf Minuten klopfen mussten bis ich endlich aufgewacht war.

Der Polizeioffizier wollte einen Blick auf die Videoaufnahmen werfen und außerdem den Schlüssel und weitere Gegenstände abholen. Offensichtlich hatte der junge Kerl hervorragenderweise mitten in der Nacht die Polizei angerufen, um die Sache aufzuklären. Es war 2 Uhr nachts.

In völliger Schlaftrance schloss ich also das Büro auf und zeigte dem Polizisten die Videoaufnahme.

Wie auch immer, es war schon eine komische Situation einem Polizisten um zwei Uhr nachts in Boxershort und T-Shirt sowie Anti-Akne-Creme im Gesicht ein Video zu zeigen, in dem ein vollbetrunkener Autofahrer rückwärts einen Bogen über die ganze Straße fährt und dann in ein anderes Auto donnert. Zumindest konnte ich danach durchschlafen… bis 06:00 Uhr…

Den nächsten Morgen konnte ich erstmal damit verbringen die ganzen Scherben wegzuräumen, die auf der Auffahrt übriggeblieben waren. In meiner Erinnerung waren wir den größten Teil in der vorigen Nacht losgeworden, aber wie mir die Realität eindrucksvoll zeigte, hatte ich mich getäuscht.

Es war alles so skurrill, dass ich nur drüber lachen konnte – trotz Schlafmangel…

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